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Plusenergie-Bürogebäude & Kulturkraftwerk

Holzbaupreis Salzburg 2019

Kategorie: Gewerbliches Bauwerk
Standort: Thalgau
Jahr der Fertigstellung: 2014
BauherrIn: sps architekten zt gmbh
ArchitektIn/PlanerIn: sps architekten zt gmbh
TragwerksplanerIn: Reibenwein-Forsthuber ZT GmbH
Ausführender Betrieb: Appesbacher Zimmerei-Holzbau GmbH

Kurzbeschreibung: Das in Passivhausbauweise errichtete Bürogebäude mit ökologischen, nachwachsenden Materialien erstreckt sich – neben der Teilunterkellerung – auf 3 oberirdischen Ebenen mit insgesamt ca. 1.300 m² Nutzfläche. Den massiven Stiegenhauskern mit auskragenden Stahlbetondecken umgibt eine teilmassive Holzhülle in Passivhausstandard. Das Flachdach besitzt sowohl eine extensive Begrünung als auch eine Photovoltaikanlage. Des Weiteren wurde im Zuge des Projektes ein Wasserkraftwerk auf dem Grundstück errichtet. Die eigentliche Gebäudehülle besteht aus hoch gedämmten Holzriegelwänden, die mit senkrecht gestulpten Lärchenholzschindeln verschalt sind. Dieses Fassadenmaterial kann man als inflationäres Stilmittel des jüngeren, regionalistischen Bauens betrachten. Hier ist es allerdings tatsächlich mehr als eine formale Attitüde, es ist eine Erinnerung an den alten Sägewerksbetrieb. Horizontal wird der Bau geschoßweise durch die an den Fassaden vorspringenden Massivholzdecken gegliedert. An drei Seiten dienen sie als konstruktiver Holzschutz, an der vierten, der Südseite, kragen die Decken soweit, dass sie auch die Funktion eines Balkons erfüllen. Großflächige, raumhohe Fenster sorgen für die Belichtung. Die Fenster können zwar geöffnet werden, der Luftaustausch erfolgt aber mittels einer mechanischen Belüftung mit Wärmerückgewinnungssystem. Als Pendant zum ruppigen Stampfbetonkern des Gebäudes hat Architekt Speigner die Innenseiten dieser Wände mit OSB-Platten beplankt. Die zufällige Struktur der groben Holzspäne antwortet der aleatorischen Struktur des Stampfbetons. Die Böden der Büroräume sind mit einem geölten Eichenboden, jene der Erschließungsbereiche hingegen mit einem terrazzoartigen Kunststein belegt. Sie bilden zusammen mit der schlanken, einläufigen Treppe aus Fertigteilbeton einen delikaten Gegensatz zur groben Materialsprache der Wände. Statisch relevant sind der Betonkern und die Außenwände, sämtliche Zwischenwände sind hingegen variabel und könnten jederzeit entfernt und die Raumaufteilung neu geordnet werden. Die Philosophie, die hinter dieser Konzeption liegt, signalisiert eine Abkehr von der ideologischen Konvention der Moderne, die die Außenwand als von statischen Aufgaben frei gespielte Schicht – als „curtain wall“ verstand. Hier – das ist nun keine revolutionäre Neuheit – aber ist es bestimmend für eine auf einfachen Methoden fußende Bauweise, kehrt sich das Verhältnis wieder um. Die erforderlichen Techniken sind hier simpel: Den betonierten Kern kann jede lokale Baufirma in wenigen Wochen kostengünstig errichten. Ähnliches gilt für die tragenden Holztafeln, die von jedem Zimmerer als Fertigteile angeliefert, in wenigen Tagen aufgestellt werden können.

Fotos: Kurt Hörbst, Andrew Phelps